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Geschichten zu Weihnachten

 

Vom Kerzlein, das ewig brennen wollte.

Es war einmal eine kleine Wachskerze, die war nur glücklich, wenn sie brennen durfte. Dan klopfte ihr kleines Wachsherz vor Freude, sie strahlte und zitterte und verströmte einen süßen und lieblichen Duft. Aber leider dauerte das Glück immer nur kurze Zeit; das Flämmchen wurde ausgeblasen, und das Kerzlein stand dann traurig in einer dunklen Ecke. „Ach was ist das Leben ohne Licht“, seufzte es und vergoß eine dicke Wachsträne, die aber sofort erstarrte vor lauter Kälte. Und eines Nachts konnte es das Kerzlein nicht mehr aushalten in der Dunkelheit. „Ich will weit fortgehen“, dachte es, „irgendwohin, wo mich kein Mensch auslöschen kann, und dann will ich Tag und Nacht nur brennen, brennen, brennen“.Und so lief es zur Tür hinaus, vergaß aber nicht, die Schachtel mit den Zündhölzern unter den Arm zu nehmen. Draußen auf der Straße war es bitter kalt, und beinahe wäre das Kerzlein wieder umgekehrt. Aber es nahm all seinen Mut zusammen und lief an den vielen hohen Häusern vorbei, immer weiter und weiter, bis es in den Wald kam. Hier war es nun so stockdunkel, dass es überhaupt nichts mehr sehen konnte. Alle paar Schritte stolperte es über eine Baumwurzel und fiel auf die Nase. Endlich blieb es stehen. „Hier wird mich wohl niemand finden und mir mein Flämmchen ausblasen“, dachte es, nahm ein Zündholz aus dem Schächtelchen, rieb es an, dass das Flämmchen heraussprang und einen kleinen Augenblick die erstunten und verschlafenen Gesichter der alten Tannen beleuchtete. Aber da kam der Wind und blies, husch, das Flämmchen wieder aus. Nun war es noch dunkler im Wald als vorher, und das Kerzlein blickte ganz verzagt in die Finsternis. Aber es hatte ja noch seine Schachtel voll Zündhölzchen. Es bekam wieder Mut und zündete eifrig ein zweites an. Diesmal wartete der Wind, bis das Kerzlein richtig brannte. Aber dann kam er pustend hinter einem dicken Baumstamm hervor, und gleich war das kleine Licht wieder erloschen. „Du böser Wind!“ rief das Kerzlein, „aber warte nur, ich will dir schon zuvorkommen!“ Um es strich ein drittes Zündholz an. Doch auch dies blies der Wind aus – es machte ihm richtig Spaß. Das arme Kerzlein stand weinend im finstern Wald, zündete ein Hölzchen nach dem anderen an, und der Wind pustete eines nach dem anderen wieder aus. Endlich war die Schachtel leer, ein ganzer Berg abgebrannter Zündhölzer lag um das Kerzlein herum, das vor Verzweiflung nun gar nicht mehr wusste, was es tun sollte. Da kam der heilige Nikolaus in seinen weichen Filzstiefeln leise durch den Wald gegangen. Er hatte schon eine ganze Weile die kleinen Flämmchen aufleuchten sehen und sich sehr darüber gewundert. „Ja was machst du denn hier?“ fragte er erstaunt und hob das Kerzlein vom Boden auf. Das fing nun laut zu weinen an. „Ach“, rief es , „ ich möchte so gerne immer und immer brennen, aber zu Hause, da bliesen mich die Menschen aus und hier der Wind!“ und es schluchzte herzbrechend. „Na hör auf zu weinen!“ brummte der Nikolaus, ich will dich mitnehmen und auf den Christbaum stecken, da kannst du brennen nach Herzenslust“. Und das Kerzlein verschwand in dem tiefen Sack des heiligen Nikolaus, und dann sah und hörte es nichts mehr, bis es in einem schönen warmen Zimmer wieder hervorgeholt wurde. Da erblickte es einen hohen grünen Tannenbaum, fast wie im Wald, aber er war über und über geschmückt mit glitzernden Kugeln, Sternen, Äpfeln und Nüssen. Und nun wurde das Kerzlein ganz hoch oben auf dem Tannenbaum in einen silbernen Halter gesteckt. Es wagte kaum zu atmen und schaute nur schüchtern auf all die Pracht. Aber plötzlich blieb ihm das Herz stehen vor Entzücken. Es hatte das Christkind erblickt, das ganz nahe bei ihm auf der Spitze des Christbaumes schwebte, mit segnend ausgebreiteten Händen und einem süßen Lächeln auf dem Gesicht. Das Kerzlein sah unverwandt zu ihm auf und merkte nichts von all dem, was im Zimmer vorging. Aber als es mit all den anderen Wachskerzen angezündet wurde, als ein festliches Glitzern und Leuchten begann, da erbebte es vor Glück. „Nun will ich nie mehr aufhören zu brennen“, jubelte es, „ewig will ich für das Christkind leuchten“! Und sein Flämmchen brannte höher und heller als die der anderen Kerzen. Es hörte, wie im Traum die Weihnachtsmelodien durch das Zimmer klangen und den lauten Jubel der Kinderstimmen – es merkte nicht, wie es dann wieder stiller wurde, wie ein Licht nach dem anderen erlosch, ja es merkte nicht einmal, wie es selbst immer mehr zusammenschmolz. Schließlich war es ganz still und dunkel im Zimmer geworden, die Kinder lagen längst in ihren Betten und träumten von ihren neuen Spielsachen. Da ging endlich auch unserem Kerzlein der Atem aus. Ganz erschrocken flackerte es noch einmal hoch auf, dann sank es zitternd in sich zusammen. Nur ein winziges rotes Fünkchen blieb noch übrig.
Da seufzte es so tief und verzweifelt, dass das Christkind Mitleid mit ihm bekam. Es neigte sich von der Spitze des Baumes herab, nahm das Kerzenfünkchen in seine Hände und sprach: „Weil heute die Heilige Nacht ist, will ich dir deinen Herzenswunsch erfüllen – du sollt ewig brennen“. Und es flog mit ihm zum Fenster hinaus in den Himmel und hängte es zwischen die vielen goldenen Sterne
Nun brennt das Kerzlein jahraus, jahrein als Stern am Himmel droben und ist glücklich. Aber in der Heiligen Nacht brennt es heller als alle anderen Sterne. Wenn du dann zum Fenster hinausschaust, kannst du es sicher erkennen.

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